Fred Hamkers theoretische Publikation im Journal of Neuroscience

Warum nehmen wir unsere Umwelt als stabil und konstant wahr, obwohl sich das Bild auf der Netzhaut des Auges mit jeder Augenbewegung ändert? Die Frage nach der "subjective experience of visual stability" ist Grundlage vieler experimenteller Arbeiten, wie beispielsweise von Experimenten, die in vollkommener Dunkelheit die Fehllokalisation von kurzzeitig, um den Zeitpunkt einer Augebewegung geblitzten Stimuli untersuchen. Arnold Ziesche und Fred Hamker entwickelten ein neues Modell zur Erklärung dieser Fehllokalisation und können damit einen Teil des Puzzles der Wahrnehmung einer stabilen Umwelt besser verstehen.

Nach diesem Modell ist die Fehllokalisation kein Fehler, der durch den Vergleich der retinalen Stimulusposition mit einem extraretinalen Augenpositionssignal entsteht, wie bisherige Modelle annehmen, sondern er entsteht durch eine Kombination von zwei Augenpositionssignalen - eines welches die Augenposition kodiert, aber sehr spät nach einer Augenbewegung aktualisiert wird, und eines welches das Ziel der Augenbewegung schon vor der eigentlichen Bewegung vorhersagt.

 

Originalpublikation:

Ziesche, A., Hamker, F. H. (2011)
A Computational Model for the Influence of Corollary Discharge and Proprioception on the Perisaccadic Mislocalization of Briefly Presented Stimuli in Complete Darkness
Journal of Neuroscience. November 30, 2011. 31(48):17392-17405.